Reisetagebuch Israel Tag 3

Schakale, Barthaare und das Weinwunder

Nach unserer Abendandacht in der Synagoge von Nes Ammim, birgt die Nacht wieder etwas Unruhe. Schakale heulen in der Umgebung unseres Kibbuz, das sich dem Dialog der Religionen verschrieben hat. Es klingt als warten die hungrigen Wildtiere direkt vor unserem Fenster. Zum Glück sind wir daraufhingewiesen worden, sonst hätten wir vermutlich bei dem Geheule große Ängste ausgestanden. In Israel wird heute der Sabbat gefeiert. Das heißt, dass alle nicht lebensnotwendige Arbeiten, die auch im Vorfeld hätten erledigt werden können, verboten sind. Das Ruhegebot wird bei streng orthodoxen Juden sehr ernst genommen. Restaurants, Geschäfte und Betriebe sind seit dem Vorabend geschlossen. Als ich am Morgen meinen Computer starten will, erhalte ich skeptische Blicke und räume ihn gleich wieder weg. Die Kerze für unser Geburtstagskind entzünden wir an dem offenen Feuer in der Küche, denn auch das Entzünden von Feuer steht für eine neue „Kreation“, und die hat sich selbst unser Schöpfer am 7. Tag verkniffen. Nach den bezaubernden Bahai-Gärten in Akko am Morgen, geht es in die historische Altstadt. Hier haben europäische Kreuzfahrer Spuren hinterlassen, unter ihnen Richard Löwenherz, der sich die Eroberung der Heiligen Stadt Jerusalem auf die Fahnen geschrieben hatte. Starke Mauern, weitläufige Geheimgänge und große alte romanische und gotische Hallen lassen auf die Blütezeiten der Hafenstadt schließen. Die Basare überbieten sich mit ihren Angeboten an fremden Gewürzen, Früchten und köstlichen Süßwaren. Durch Zufall treffen wir auf eine alte Karawanserei, in der uns ein Kamel freundlich anlächelt. In der Ahmed-Jezzar-Moschee wird ein altes Rätsel aufgelöst. Das Sprichwort: „beim Barte des Propheten…“ kommt von hier, denn tatsächlich liegen hier drei graue Barthaare des Propheten als Reliquie aufbewahrt und verehrt. In Zippori können wir die Mona Lisa in Steinmosaik bewundern. Am Abend lese ich meine biblische Lieblingsgeschichte aus Studienzeiten an historischer Stelle vor. Wir sind in Kana, dort war Jesus mit seiner Mutter und seinen Jüngern einst zur Hochzeit geladen. Als der Wein sich dem Ende neigt, wandelt er sechs Krüge voll Wasser in köstlichen Wein. Leider bleibt mir diese Gabe verwehrt und so kaufe ich den Wein im Geschäft gegenüber der Kirche, die an das „Weinwunder“ erinnert.
Anschließend geht es nach Tiberias am See Genezareth ins Hotel, von wo aus wir die nächsten Tage die Stätten von Jesu Wirken erkunden.



die drittgrößte Moschee Israels, die Ahmed-Jezzar-Moschee


Dorothee aus Erfurt zwischen den historischen Gemäuern der alten Kreuzritterstadt Akko


auf der „weißen Straße“ der alten Römer in Zippori