Reisetagebuch Israel 11 (Abschluss)

Christlicher Reiseleiter mit jüdischem Reiseführer und muslimischen Busfahrer

Der letzte Tag ist angebrochen und individuell machen sich alle auf den Weg. Die einen wollen unbedingt noch auf den Tempelberg, auf den ein frommer Jude vermutlich nicht gehen würde, denn es heißt, dass sie erst wieder nach der Errichtung des Tempels den Berg betreten. Andere wollen den Basar in der Altstadt besuchen und ihre restlichen Schekel ausgeben. Ich lasse mich mit dem Taxi auf den Ölberg fahren und genieße einen letzten Blick auf die Altstadt von Jerusalem in der Morgensonne. Dann steige ich den Berg herab, wie es einst Jesus mit seinen Jüngern öfters getan hat. Im Garten Gethsemane verweile ich und betrachte den Stein, auf dem Jesus in der Nacht des Verrates Schweiß und Blut geschwitzt hat. „Dominus Flevit“ („der Herr hat geweint…“) ist eine beeindruckende Kirche mit Blick auf die Altstadt. 1955 wurde sie in Form einer Träne über den Fundamenten einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert erbaut. Sie erinnert daran, dass Jesus über die Zukunft der Stadt geweint haben soll. Vorbei an den vergoldeten Kuppeln der russischen Maria-Magdalena-Kirche geht es durch das Löwentor in die Altstadt. Es ist Sonntag, doch hier in Jerusalem herrscht rege Geschäftigkeit. Nur ein paar wenige christliche Geschäfte haben geschlossen. Für den Rest ist es der erste Tag der Woche und da geht es darum, gute Geschäfte zu machen. Ich mache mich durch die Stadt auf zum Tempelberg und will noch einmal in die Nähe vom Felsendom. Wieder strenge Sicherheitsvorkehrungen, doch dann stehe ich auf dem Platz, auf dem neben dem Dom die großen Bögen stehen, an denen die Schuld und Sünde zum jüngsten Gericht gewogen werden sollen. Eine merkwürdige Stille umgibt mich im Herzen der Stadt der Religionen. 12 Uhr geht es dann auf zum Flughafen nach Tel Aviv. Zuvor verabschieden sich der jüdische Reiseführer Yaron, der arabische Moslem Mortada von mir als christlichen Reiseleiter. Wir hatten schöne und spannende Tage und Gespräche miteinander. So kann interreligiöser Dialog funktionieren. Auf dem Weg zum Flughafen besuchen wir noch den Heimatort von Johannes dem Täufer. Am Flughafen erwarten uns dann wieder verstärkte Sicherheitskontrollen, da die Medien über geplante Terroranschläge berichtet haben. Doch uns schreckt jetzt hier nichts mehr ab. In den späten Abendstunden landen wir in Frankfurt am Main und fahren weiter ins thüringische Magdala.