Magdalena und Georg heißen die neuen Kinderbischöfe

Am vergangenen Sonntag wurden im Magdalaer Gemeindesaal, im Rahmen eines großen Familiengottesdienstes, Magdalena Krautwurst und Georg Hein als neue Kinderbischöfe in ihr Amt eingeführt und eingesegnet. Ihre Aufgabe ist es, die Interessen der Kinder in der Region zu wahren und die Rechte gegenüber der Kommune und der Kirchgemeinde zu vertreten. So manche Verbesserung kam auf Initiative der Magdalaer Kinderbischöfe auch überregional zustande. Da wurden Briefe an den Ministerpräsidenten zum Erhalt einer, von der Schließung bedrohten, Schule oder gegen die Abschiebung einer vietnamesischen Familie geschrieben. In Weißrussland, aus der Region um Tschernobyl, können derzeit gleich drei Studenten durch ein Stipendium von der Kirchgemeinde studieren. Projekte in Afrika, Pakistan und Sri Lanka erhielten finanzielle Unterstützung.

Das Amt des Kinderbischofes ist nicht neu. Schon im Mittelalter wurden Kinderbischöfe gewählt. Oft war das Amt mit viel Prestige verbunden. Erasmus von Rotterdam zählte in seiner Kindheit unter anderen zu ihnen. Auch in Jena war das Amt begehrt. Zum Gedenktag des Heiligen Gregorius am 12. März wurde in Jena gewählt. Über die Zeit in der Reformation sind uns so manche Episoden erhalten geblieben. So schreibt Herbert Koch in seinem Buch „Geschichte der Stadt Jena“: „Die Knaben wählten einen ´Bischof`, die Mädchen eine `Äbtissin`, sie zogen in zwei langen Schlangen durch die ganze Stadt, sangen und bettelten von Haus zu Haus, wurden sogar mit Wein und Bier beschenkt, trafen sich dann auf dem Kirchplatze, wo der `Bischof` die `Äbtissin` mit einem Kuß begrüßte und ihr ein meist recht wertvolles Geschenk überreichte. Dann verfügten sie sich getrennt in ihre Schulen, wo der Vater des Bischofs und der der Äbtissin für Essen und Trinken zu sorgen hatten, was bis zu zwanzig Gulden Unkosten verursachte.“

Gegen allerlei Missbräuche dieser Zeit gingen die Kinderbischöfe vor, oft spiegelten sich in ihren „Bischofspredigten“ auch der Wunsch und die Anklage der Erwachsenen wieder. Die Klagen stammten weniger von den Geistlichen dieser Zeit, als vielmehr von den Gemeindegliedern, die „an ihrer Kirche hingen, ihre Kirche liebten für ihre Kirche lebten, um ihre Kirche bangten“. So verbot man der Handwerkerinnung, während des Sonntags-Gottesdienstes ihre Sitzungen abzuhalten. „Komödien, Gaukelspiele und Tänze im Rathaus“ wurden angeprangert. Die Winzer wurden beklagt, „allerlei Unfug und Narreteien während der Weinlese“ zu unterlassen und die Studenten sollten die Brautpaare mit „unflätigen Zoten“ verschonen. Die Studenten machten sich vor der Zeremonie auf den Kirchbänken der Hochzeitsgäste breit und nahmen ungeladen am Schmaus und Tanz im Hochzeitshause teil.

Wer daraus schließt, dass das kirchliche Leben in Jena zu seiner Zeit im Argen lag, sieht sich getäuscht. „der Kirchenbesuch ließ nichts zu wünschen übrig, im Klingelbeutel fand man immer ansehnliche Opfergaben, die Zahl der Abendmahlsgäste war erstaunlich hoch…“ heißt es in den alten Schriften.

Für Magdalena und Georg gestalten sich die Ziele in ihrer Amtszeit weitaus profaner. Sie wollen mehr Mitbestimmung der Kinder vor Ort anstreben, dafür entwickeln sie einen Fragebogen über Wünsche, Ängste und Ziele der Jüngsten. Auch soll die Hilfe für Kinder in Not einen großen Stellenwert bekommen, ganz oben steht die Unterstützung für die Kinder von Tschernobyl. Alte Traditionen sollen auch bei den beiden gepflegt werden, Wein und Bier und auch der Kuss - wie in Jena im Mittelalter - gehören allerdings nicht dazu!


Die Tochter wird im Hause des Vaters Bischof. Magdalena wird mit Georg künftig die Interessen der Kinder aus der Region vertreten.
Vikar Frank Freudenberg, Magdalena Krautwurst, Georg Hein, Pfarrer Martin Krautwurst