Glockenweihe in Göttern mit Spannung erwartet

Das Kirchspiel Magdala / Bucha bereitet sich auf das große Fest der Glockenweihe vor. Die Kinder proben im Pfarrgarten ihr Theaterstück, die Chöre üben ihre Choräle, Organist Axel Stelzner entlockt der Orgel ihre schönsten Töne und in der Kirche wird alles für den großen Festgottesdienst hergerichtet. Pfarrer Martin Krautwurst freut sich besonders über die Taufe der kleinen Merle in diesem Gottesdienst, denn so wird deutlich, dass die Gemeinde den Ruf der ehrwürdigen Glocken auch hört. „Es gilt dieses wunderbare Bauwerk, in dem so viel Liebe und Fleiß stecken, mit Leben zu füllen. Eine Kirche die nicht innerlich lebt, wird auf Dauer auch äußerlich keine große Standfestigkeit beweisen.“

Am Samstag wird mit Posaunenmusik, Kindergottesdienst und Chormusik das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Wenn dann die Weihe der Glocken erfolgt und der Klang vom Kirchturm über den Ort in die Ferne ertönt, wird wieder ein großes Stück Baugeschichte in Göttern geschrieben sein. Ein kleines Volksfest unterstreicht die Bedeutung der Kirche im Ort, hier sind alle mächtig stolz auf das Geschaffene. Einen hohen Anteil am Gelingen des Festes trägt der heutige Organist Axel Stelzner dabei. Nicht nur, dass der Professor und Mikrobiologe seit seinem Zuzug nach Göttern den Bau und die Sanierung maßgeblich forcierte, sondern er ist auch der glückliche Großvater des kleinen Täuflings.

Alle Mühe hat sich gelohnt

Kirchen-Sanierung in Göttern erlebt weiteren Höhepunkt

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Am 5. Mai wird in einem Festgottesdienst um 14.30 Uhr in der Kirche von Göttern (Kirchenkreis Jena) die alte Bronzeglocke nach erfolgter Schweißung in der Firma Lachenmeyer, Nördlingen wiedergeweiht. Diese mit gotischen Majuskeln verzierte Glocke stammt vermutlich aus der Zeit Ende 13. Jahrh./ Anfang 14. Jahrh. und gehört somit zu den ältesten Glocken in Thüringen. Das Geläut wird ergänzt durch zwei Apoldaer Eisenhartguss-Glocken aus den Jahren 1921 und 1922. Die Zeit der Abwesenheit der alten Glocke nutzte man in Göttern, um den Glockenstuhl zu erneuern und seine „innere Steifigkeit“ zu erhöhen.

Mit der Glockenweihe erfährt eine beharrliche, 15 Jahre währende intensive Sanierung der Kirche einen weiteren Höhepunkt. Das, was bisher geleistet wurde, verdient große Achtung, denn es bedeutet die Rettung einer Kirche, die zu verfallen drohte: Der Verfall setzte in den 1960er Jahren ein, als Schäden an der Beschieferung der Turmhaube und an der Eindeckung des Kirchendaches auftraten, die nicht behoben wurden. Erst 1984 kam neuer Schiefer auf den Turm. 1987 musste das Mansardendach vollständig abgebrochen werden. Im Folgejahr wurde es in vereinfachter Form - unter Verzicht auf die Gauben - wieder aufgebaut und mit Dachpappeschindeln eingedeckt. Wenn nun auch das ungehinderte Eindringen von Regenwasser gestoppt war, glich das Gebäude immer noch einer Ruine: Durch Wasser und Frost war der Innenputz großflächig geschädigt. Von Moderfäule befallen waren die Holzteile der Emporen, das Gestühl, die Treppenaufgänge zu Emporen und Turm sowie der Fußboden im Schiff. Die Eifert-Orgel, obwohl abgedeckt, konnte nicht mehr gespielt werden.

Nach ersten Bemühungen von Pfarrer Peter Langner und des Gemeinderates um Bürgermeister Schorcht setzte die zielgerichtete Rettung des Kirchengebäudes erst ein, als 1991 der „Verein zur Förderung der Dorfkirche zu Göttern“ gegründet wurde. Zusammen mit vielen Mitstreitern mühte sich in den Folgejahren der Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Axel Stelzner ideenreich und unermüdlich für den Erhalt „seiner“ Kirche. Dabei ging es um Beschaffung von Fördermitteln, um Gewinnung von Spendern, um Restauratoren und Architekten, die die Sanierungs- und Restaurierungskonzepte erarbeiteten und die Arbeiten begleiteten, um Erstellung der Ausschreibungsunterlagen und natürlich auch um notwendige Öffentlichkeitsarbeit. Prof. Stelzner verstand es, die Kirchensanierung zur Sache des ganzen Dorfes zu machen: Von den z.Z. 39 Vereinsmitgliedern wohnen 30 in Göttern, 9 in Jena, Dresden und Hamburg. Im Zeitraum von 1992 bis 2006 konnten über 208.000 Euro für die Renovierung beschafft werden. 206.000 Euro davon wurden für äußere und innere Baumaßnahmen eingesetzt. Neben der Rekonstruktion des barocken Daches mit seinen Gauben, der Neudeckung mit Bieberschwanzziegeln, der weitgehenden Erneuerung des Innenputzes sowie der Neuausmalung der Kirche wurden auch Kanzel, Altar, Orgel und Kirchenmauern saniert, das Gestühl erneuert und eine Winterkirche eingerichtet. Neu angeschafft wurden auch Liedertafeln, Gesangbücher, Altardecken und Schaukästen. Nicht gezählt sind die Stunden, die Gemeindeglieder aus Göttern unentgeltlich am Kirchengebäude arbeiteten.

1999 konnte die Adam-Eifert-Orgel aus dem Jahre 1894 nach sorgfältiger Restaurierung durch Norbert Sperschneider (Weimar) wiedergeweiht werden. Ein Jahr später, am 18. Juni 2000, fand unter Teilnahme einer großen Gemeinde die Weihe der Kirche durch Landesbischof Roland Hofmann statt. Für Göttern und das ganze Kirchspiel Magdala war dies ein Tag großer Freude und Dankbarkeit. Von da an wurde in der Kirche wieder regelmäßig Gottesdienst gefeiert. Pfarrer Martin Krautwurst aus Magdala, zu dessen großem Kirchspiel Göttern gehört, hält überwiegend Samstag-Abendgottesdienste, bei denen Professor Stelzner häufig die Orgel spielt. Und das Ehepaar Prüfer versieht seit Jahren treu und zuverlässig alle Küsteraufgaben. Auch viel besuchte Konzerte, u.a. in der Reihe der Dorfkirchenmusiken oder Benefiz-Konzerte zugunsten des Tschernobylvereins finden statt. Nahezu 200 Besucher waren am 7. August 2004 zur Veranstaltung DER SCHÖNE ORT nach Göttern gekommen, um dem Bericht über die Rettung der Dorfkirche zu lauschen und sich vom Stand der Sanierungsarbeiten zu überzeugen.

Wenn am 5. Mai d.J. die wiedergeweihte Bronzeglocke erstmals offiziell geläutet wird, findet eine weitere Etappe der Sanierung der Kirche in Göttern ihren Abschluss. Man kann aber sicher sein, dass dies nicht die „allerletzte“ Restaurierungsarbeit an dieser alten Kirche aus dem 13. Jahrhundert sein wird. Zum Einweihungsgottesdienst am 5. Mai werden die Besucher aber innehalten und sich dankbar an der Schönheit des Kirchenraumes und am Wohlklang des dann wieder vollzähligen Geläuts mit Glocken aus sieben Jahrhunderten erfreuen.

Die alte Glocke der Dorfkirche zu Göttern

In Thüringen gibt es etwa 1550 denkmalgeschützte Kirchen mit ca. 3550 Glocken. Diese stehen auf grund ihrer Klangschönheit und ihres künstlerischen Wertes ebenfalls unter Denkmalschutz.

Glocken sind – so u.a. Marcus Schmidt (LKA Eisenach) - sowohl selbstklingende Musikinstrumente als auch Zeugnisse des Bronze-Gießkunsthandwerks.

Die älteste Glocke im Raum der ev.-luther. Kirche von Thüringen dürfte die von Aschara sein, sie befindet sich im Glockenmuseum zu Apolda. Weitere sehr alte Glocken (für das Thüringer Kernland fast typisch mit sog. Ritzinschriften versehen) gibt es u.a. in Rosa, Ernstroda (Gotha), Zwabitz, Großneuhausen, Fröbersgrün, Boblas und in Göttern. Die zuletzt gen. Glocke stammt aus der Zeit vom Ende des 13. Jahrhunderts (1280 – 1320). Auf ihr steht in (abgekürzten) gotischen Majuskelbuchstaben geschrieben: Per me laudatur deus hostis aerque fugatur – durch mich wird Gott gelobt, Feinde und Unwetter werden vertrieben. Die Buchstaben sind doppellinig geritzt und besitzen eine Höhe von 6 cm. Zwischen den einzelnen Worten befinden sich 4 kreisrunde Medaillons mit einem Durchmesser von 4 cm. Sie stellen im einzelnen dar: Christus trägt sein Kreuz, Christus kommt aus dem Grabe mit Krone und Siegesfahne, Christus triumphierend, Christus auf einer Eselin mit Kreuzfahne reitend. Dies sind letztlich Schutzinschriften, ein Beispiel dafür, daß man im Mittelalter den Glocken eine unheilabwehrende Wirkung zuschrieb. Diese Glocke mit einem Durchmesser von 798 mm wiegt 339 kg., die gerade Höhe ohne Krone beträgt 725 mm. Die Abklingdauer von Unterton, Prime  und Terz beträgt 43, 13 und 9 Sekunden. Bei der Krone handelt es sich um eine 6-Henkel-Krone, die Haube besteht aus Ober- und Unterplatte. Der Glockengießer selbst blieb unbekannt. Mitte des 20. Jahrhunderts allerdings war die alte Götterner Glocke auf Grund einer unsachgemäßen Behandlung gesprungen.

Erhalten blieben jedoch die 2 weiteren Glocken, die aus den Jahren 1921 und 1922 stammen und von Schilling und Lattermann (Apolda) gegossen worden waren. Sie ersetzten zwei Glocken von 1777 und 1820, die im ersten Weltkrieg abgehängt werden mußten.

Im Rahmen der seit vielen Jahren betriebenen vollständigen Renovierung der (barockisierten) gotischen Chorturmkirche Götterns stellt die Neuaufhängung der von der Fa. Lachenmeyer (Nördlingen) geschweißten alten Glocke einen markanten Wegstein dar. Etwa 15000 Euro wurden seitens des Fördervereins speziell nur dafür aufgebracht, daß Glocke, Glockenstuhl und Glockenstube ihren alten Status wieder gewinnen konnten - hierfür steuerte das LA für Denkmalpflege Erfurt 5000 Euro bei.

Die Mitte der 60er Jahre völlig verfallene Götterner Kirche erfuhr etwa ab 1983 erste Rettungsversuche (Pfr. Langner, Bürgermeister Schorcht u.a.), 1991 wurde ein Förderverein (einer der ersten kirchlichen Fördervereine) gegründet, ihm wurde1 Jahr später der Status eines e.V. zuerkannt (Vors. A. Stelzner). Seitdem konnten fast 220 000 Euro allein an Geldern (gespendet von vielen regionalen und nationalen Sponsoren wie z. Bsp. Rotary International) aufgebracht werden – von freiwilligen Arbeitsleistungen ganz zu schweigen.

Am 5.5.2007 (14Uhr 30) wird die alte Glocke in Göttern wieder geweiht werden, sie wird in herrlichen Terz-Dreiklängen zusammen mit ihren 2 Schwestern vom Aufbauwillen einer dörflichen Kirchgemeinde Zeugnis ablegen und zur Ehre Gottes erklingen.


Der Läuter Rudi Prüfer, der Organist und Vorsitzender des Fördervereins Prof. Dr. Axel Stelzner und Ortspfarrer M. Krautwurst