Kreiszeitung «Чырвоны Сцяг» von Krasnopolje 14. Januar 2004


Das Schicksal dieser Menschen liegt uns am Herzen

Wohltätigkeit kennt keine Grenzen –diese Worten treffen am besten die Hilfe und Unterstützung, die der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ aus der deutschen Stadt Jena nun schon 14 Jahre lang der Mittelschule von Koselje und den Einwohnern der umliegenden Dörfer erweist.

Gründer und Hauptinitiator dieses Vereins im Jahr 1990 war Martin Krautwurst, ein junger Mann, Vater dreier Töchter, ehemaliger Tischler und jetzt Priester. Die für ihn charakteristische Anteilnahme an fremdem Leid, sein Mitgefühl, konnte ebensolche Gleichgesinnte in Deutschland vereinen, sie anstecken mit der Idee, weißrussischen Kindern, Opfern der Katastrophe im fernen Krasnopolsker Gebiet, zu helfen. Zu den Mitgliedern des Vereins gehören Menschen von durchschnittlichem Wohlstand, Vertreter der unterschiedlichsten Berufe. So sehen Sie zum Beispiel auf dem Bild des Photokorrespondenten Ivan Tkatschev zusammen mit dem Geistlichen der „Hl. Mariä Himmelfahrtskirche“ der Stadt Krasnopolje, Vater German, und dem Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche der Stadt Magdala, Martin Krautwurst (zweiter von rechts), auch Ute Jakob, Sekretärin am Institut für Paläontologie und ebenso ihre Vereinskollegen – Vertreter solch wichtiger Berufe wie Lehrer und Ingenieur.

Nach den Worten von Martin Krautwurst und Ute Jakob wurde der Verein ursprünglich gegründet, um den Kindern von Tschernobyl zu helfen. Aber in den langen Jahren der Zusammenarbeit und der Verbindung zwischen den Familien in Deutschland, Cholmoi und Koselje sind inzwischen derart herzliche Beziehungen entstanden, dass sie über den Rahmen der Wohltätigkeit hinausgehen. Unsere Kinder werden in den deutschen Familien wie eigene aufgenommen. Man erwartet sie zu Gast, bereitet Geschenke und ein Freizeitprogramm für sie vor, die Verwandten und Nachbarn helfen dabei. „Das Schicksal dieser Menschen liegt uns am Herzen“ – so erklären die deutschen Gäste freundlich ihr unverändertes Anliegen.

Zu einer guten Tradition wurden nicht nur die humanitäre Hilfe für unsere Landsleute in Koselje und die ständigen Erholungsaufenthalte unserer Kinder, sondern auch die finanzielle Unterstützung für Absolventen der Schule von Koselje, die eine weitere Ausbildung anstreben. Es ist in Erinnerung, dass die deutsche Seite eine solche Initiative bereits vor 7 Jahren förderte. Da fand sich ein deutscher Sponsor, der eine Bewohnerin des Dorfes Cholmoi, die an der Pädagogischen Schule von Lenino des Goretzker Kreises studierte, finanziell unterstützte (ihr eine Art Stipendium bezahlte). Jetzt haben der Verein und die Kirchgemeinde der Stadt Magdala eine Möglichkeit gefunden, erneut einer Absolventin der Schule, die ein Hochschulstudium absolviert, eine solche materielle Hilfe zu erweisen. Natürlich ist das für die Familie des Mädchens und für sie selbst eine große Hilfe.

In diesen Weihnachtstagen haben nicht nur die Vereinsmitglieder sondern auch die Mitglieder der Kirchgemeinde den Transport in das ferne Krasnopolje zusammengestellt, der in der Schule von Koselje, in Cholmoi und den anderen Orten sehr erwartet wurde. Gemeinsam haben sie Geld gesammelt, um hier in Weißrussland Geschenke zu kaufen. Außerdem brachten sie Bibeln für Kinder und Erwachsene in weißrussischer Sprache mit, Schokolade und Apfelsinen. Und auch Päckchen für die Kinder von den Familien, in denen sie zu Gast waren.

Die deutschen Gäste weilten in unserem Kreis nicht nur in den Schulen und in den Familien. Sie brachten auch Weihnachtsgeschenke in das Kinderheim sowie zu den Kindern, die zur Zeit im Kreiskrankenhaus behandelt werden. In der „Hl. Mariä Himmelfahrtskirche“ besuchten sie den Weihnachtsgottesdienst. Zu Ehren des Feiertages der Geburt Christi überreichten sie auch den Gemeindemitgliedern und der Kirche Weihnachtsgeschenke. Wie Martin Krautwurst sagte, konnte er in der letzten Zeit diesen wichtigsten christlichen Feiertag gleich zweimal feiern: am 25. Dezember und am 7. Januar. Er schätzt den Kontakt zwischen seiner und der hiesigen Gemeinde als wichtig ein, denn der Glaube vereint die Menschen.

In jenem fernen Jahr 1990, als der Verein „Hilfe für die Kinder von Tschernobyl“ seine Arbeit erst begann, wusste niemand unter den Mitgliedern, wie lange diese Arbeit andauern und wie sie sich in Zukunft entwickeln würde. Heute kann man mit Gewissheit sagen, dass die deutschen Freunde aus Jena im Krasnopolsker Gebiet erwartet werden und dass man dankbar für die Hilfe und Unterstützung ist. Die Wohltätigkeit hat schon lange den Rahmen einer bloßen Aktion verlassen. Heute ist sie besiegelt durch die Bande von Liebe und Freundschaft – den wertvollsten menschlichen Beziehungen. Und auch die Deutschen sind ihrerseits dem Kreisschulamt dankbar, der Schule, deren Direktorin Anschelika Arnoldovna Goman sowie allen Lehrern, die sie sehr unterstützen. Und ebenso allen Menschen, die sie im fernen Land wie Angehörige und enge Freunde aufnehmen.

T. Bratotschkina